Wie finde ich das passende Gebiss für mein Pferd?

Gebisse dienen als Kommunikationsmittel zwischen Reiter und Pferd. Sie sollen die Zügelhilfen des Reiters direkt und gezielt an das Pferd weitergeben. Damit ein Gebiss die gewünschte Wirkung so gut wie möglich erzielen kann, sind 2 Dinge wichtig. Form und Größe müssen zur Anatomie des Pferdes passen. Außerdem muss es korrekt verschnallt werden.

Bei der Größenauswahl von Gebissen sind zwei Faktoren besonders zu beachten:

Die Gebissweite

Bei korrekter Verschnallung von Gebissen sollte rechts und links also nicht mehr als 0,5 cm Platz zwischen Maulwinkel und Gebissring / Seitenteil sein. Bei Wassertrensen sollte der Gebissring frei durch das Ringloch gleiten können und die Maulwinkel nicht einklemmen. (LPO 2018, S. 289)

Was viele nicht wissen ist, dass Gebisse mit festen Seitenteilen (z. B. Olivenkopf- und D-Ring Gebisse, Schenkeltrensen und Pelhams) immer eine Nummer kleiner gewählt werden sollten als Wassertrensen. Die optimale Wirkung dieser Gebisse wird erzielt, wenn das Seitenteil relativ dicht am Maulwinkel anliegt. Das Gebiss liegt dadurch ruhiger im Pferdemaul und mithilfe der anliegenden Seitenteile kann eine zusätzliche seitliche Einwirkung erzielt werden.

Die Gebissstärke

Die Gebissstärke, also die Dicke eines Gebisses, sollte unbedingt an die anatomischen Gegebenheiten des Pferdemauls angepasst sein. Eine in Zusammenarbeit mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover durchgeführte Vermessung von Maulhöhlen bei Pferden ergab, dass die Maulhöhle von Pferden kleiner und flacher ist, als bis dahin angenommen wurde. Auch lassen sich keine Rückschlüsse von der Größe eines Pferdes auf die Größe der Maulhöhle ziehen.

Mithilfe eines Pferdezahnarztes oder des sogenannten „2-Finger-Tests“ lässt sich herausfinden, wie viel Platz im Maul des Pferdes ist und welche Gebissstärke gewählt werden sollte. Hierzu legt man einfach die zusammengelegten Zeige- und Mittelfinger an die (zahnlose) Stelle ins Pferdemaul, an der das Gebiss eingelegt wird, schiebt die Zunge zur Seite und wartet, bis das Pferd anfängt zu kauen, bzw. zwischendurch die Schneidezähne zusammen kommen. Ist der Abstand zwischen der oberen und unteren Lade gering, verspürt man Druck auf beiden Fingern. Die empfohlene Stärke liegt dann bei 14 – 16 mm. Bei größerem Abstand zwischen oberer und unterer Lade verspürt man kaum Druck auf den Fingern. Die empfohlene Stärke liegt dann bei 16 – 18 mm.

Wenn ein zu dickes Gebiss gewählt wird, besteht die Gefahr, dass Druck auf den empfindlichen Gaumen ausgeübt wird. Dadurch können Druckstellen und Verletzungen entstehen, in jedem Fall ist das aber unangenehm für das Pferd und kann zu Kopfschlagen, Aufsperren des Maules oder „sich auf die Hand legen“ führen.

Doch auch ein zu dünnes Gebiss ist für viele Pferde und Reiter nicht ideal, da hier eine punktuellere Druckverteilung stattfindet, die eine gefühlvolle Hilfengebung notwendig macht.

Trotz der schier unzähligen auf dem Markt erhältlichen Gebissmodelle und –formen ist es mit ein wenig Grundlagenwissen über die Wirkungsweise der gängigsten Gebissformen gar nicht mehr so schwer, eine Auswahl zu treffen.

Einfach gebrochene Gebisse

Einfach gebrochene Gebisse leiten die Zügelhilfe des Reiters über die Zungenränder und die Unterkieferknochen an das Pferdemaul weiter. Bei Zügelanzug stellt sich das Gelenk in der Mitte des Mundstücks leicht auf, und der Druck auf die Zungenränder nimmt zu.

Das beschriebene „Aufstellen“ des Gebisses wird häufig als sogenannter Nussknacker-Effekt bezeichnet, bei dem die unteren Laden eingeklemmt werden und/oder das Auge des Gelenks in den Gaumen des Pferdes drückt. Dies ist insbesondere der Fall, wenn das verwendete Gebiss deutlich zu groß oder zu dick für das entsprechende Pferdemaul ist. Besonders bei Pferden mit einem flachen Gaumenbogen besteht dann tatsächlich die Gefahr, dass Druckstellen oder sogar Verletzungen im Gaumenbereich entstehen können.

Da die Gebissschenkel herkömmlicher einfach gebrochener Gebisse  fertigungstechnisch bedingt immer unterschiedlich lang sind, wird auch einseitig immer etwas mehr Druck ausgeübt. Es ist deshalb zu empfehlen, einfach gebrochene Gebisse regelmäßig umzudrehen. Bei Turnado- oder einfach gebrochenen Dynamic RS-Gebissen der Firma Sprenger ist dies nicht notwendig, denn hier wurde das Gelenk um 45° nach vorne gedreht. Diese spezielle Winkelung ermöglicht eine gleichmäßige Einwirkung auf beide Zungenränder.

Doppelt gebrochene Gebisse

Doppelt gebrochene Gebisse haben kürzere Schenkel, die durch ein Mittelstück miteinander verbunden sind. Der durch Zügelanzug entstehende Druck wird großflächiger über die Zunge verteilt und auf den Unterkiefer geleitet, als bei einfach gebrochenen Gebissen.

Bei den doppelt gebrochenen Sprenger Gebissen aus Sensogan entsteht, durch das speziell angepasste und nach vorne geneigte Mittelstück, bei passender Gebissgröße kein Gaumendruck.

Die Vielfalt bei den auf dem Markt erhältlichen doppelt und einfach gebrochenen Gebissen sowie die preisliche Bandbreite sind riesig. Insbesondere wer ein sensibles Pferd hat, sollte Wert darauf legen, ein Gebiss zu wählen, das anatomisch an das Pferdemaul angepasst wurde. Die Firma Sprenger ist beispielsweise Vorreiter bei der Entwicklung von Gebissformen, die, basierend auf wissenschaftlichen Untersuchungen und Praxistests durch Profis, speziell an die anatomischen Bedingungen im Pferdemaul angepasst sind.

In 4 Schritten zum richtigen Gebiss

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Harmonisches Reiten beginnt mit dem passenden Gebiss.
Das Gebiss leitet die Zügelhilfen des Reiters an das Pferd weiter und funktioniert somit als Kommunikationsmittel zwischen beiden.
Das Maul ist einer der sensibelsten Bereiche des Pferdekörpers, deshalb ist es wichtig, es vorsichtig und sorgfältig zu behandeln.

Ein Gebiss muss den individuellen Eigenschaften des Pferdemauls angepasst sein und darf weder drücken oder scheuern, noch unangenehm für das Pferd sein. In Kombination mit einer korrekten Verschnallung des Reithalfters wird die natürliche, mahlende Kaubewegung des Pferdes beim Reiten zugelassen.
Ein passendes Gebiss gibt die Hilfen des Reiters wirkungsvoll an das Pferd weiter. Es ermöglicht eine optimale Kommunikation zwischen Reiter und Pferd und ist Voraussetzung für die korrekte Grundausbildung von beiden.

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